Sehenswürdigkeiten in USA
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Civil War Sightseeing in den USA
Reisen auf den Spuren des Amerikanischen Bürgerkriegs

Colonial Williamsburg, Fredericksburg und andere Schauplätze des Sezessionskriegs

Benedict Arnold © Daniela Nowak
Benedict Arnold
© Daniela Nowak

Dass die USA die Meister der Inszenierung sind, ist ein alter Hut. So genannte "living museums" feiern in Amerika große Erfolge, und das nicht nur bei Landsleuten. Ein besonderes Museum dieser Art befindet sich in Williamsburg, wo sich ein wichtiger Standort im amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) befand. In Colonial Williamsburg wird ein Dorf aus dem 18./19. Jahrhundert simuliert. Williamsburg, wie es zur Zeit des Bürgerkrieges aussah. In dieser historischen Stadt spazieren die Besucher durch die Straßen der Vergangenheit, durch originale Kolonialgebäude und durch authentisch nachgebaute Häuser. In den Gebäuden befinden sich jeweils kleine Museen, wo geschulte Mitarbeiter das Handwerk der damaligen Zeit demonstrieren.

Sightseeing USA wie es früher war - in Colonial Williamsburg, Virginia

So findet man einen Schuster, der gerade eine Sohle formt und den Besuchern erklärt, dass es damals nur zwei gleiche Schuhe gegeben hat, ohne Rücksicht auf links oder rechts. Diese mussten nämlich erst unter Schmerzen eingetragen werden. Man unterhält sich mit dem Friseur und Barbier, der nicht nur vorhandene Haare entfernt, sondern auch neue fertigt. Zur damaligen Zeit wusch man sich nicht so häufig, aus Angst sich mit Krankheiten anzustecken. Lediglich im Juli und August, den warmen Monaten im Jahr, wurde gebadet. Und so trugen die meisten der Herrschaften Perücken, die durch mühsame Handarbeit angefertigt wurden. In der Weberei sieht man eine Frau, die aus einer Baumwollblüte tatsächlich einen Faden gewinnt und danach kunstvolle Stoffe webt. Bei der damals langwierigen Satzung einer Zeitungsseite, kann man in der Druckerei zusehen. In Kleinstarbeit wird die Zeitungsseite durch einzelne winzige Buchstaben gesetzt, eingeschwärzt und schließlich aufs Blatt gepresst. Eine Tageszeitung gab es aufgrund dieser Technik natürlich nicht. Viel zu lange würde diese Arbeit dauern und zu viele Mitarbeiter würden dafür benötigt werden, um rechtzeitig die neue Satzung bereit zu stellen.

Weberei in Williamsburg © Daniela Nowak
Weberei in Williamsburg © Daniela Nowak

Colonial Williamsburg - Reisen Sie mitten in die Revolution

Doch was in Colonial Williamsburg der eigentliche Publikumsmagnet ist, sind die so genannten "Re-Enactments", also Live-Darstellungen aus der Geschichte. Als Besucher mischt man sich unter die Einwohner von Williamsburg, als die Unabhängigkeitserklärung unter großem Aufgebot am 25. Juli 1776 verlesen wurde. Die Menschen toben, und freuen sich und "Huzzah" ist das meist gehörte Wort. Man ist Teil der Kolonie, als Williamsburg durch die Briten und Brigadier General Benedict Arnold besetzt wird, und die Amerikaner von ihm als unfähig und abhängig bezeichnet werden. Man wird Zeuge einer Diskussion unter Sklaven, die die Option mit den Briten die USA zu verlassen und Freiheit zu erlangen besprechen. Auch den französischen General LaFayette lernt man kennen, nicht nur, weil er sich unauffällig unter die Besucher - pardon - das Volk mischt, sondern weil er abschließend Partei für die USA ergreift und sich gegen die Briten hoch zu Ross auflehnt - Huzzah!

Sklavenpeitsche in Williamsburg © Daniela Nowak
Sklavenpeitsche in Williamsburg
© Daniela Nowak

Das Schicksal der Sklaven in Colonial Williamsburg

Auch eine authentische Plantage wird in Colonial Williamsburg inszeniert. Vom Besucherzentrum gelangt man über die Fußgängerbrücke zur Great Hopes Plantation, die Plantage der großen Hoffnungen. Hier erlebt der Besucher die alltägliche Arbeit der Sklaven, und wird in ihren Lebensalltag eingeführt. In einer Sklavenhütte erhält man auch einen intimen Einblick in die Wohnsituation der Sklavenfamilien. Die Atmosphäre in der Sklavenhütte ist außergewöhnlich, und die Mitarbeiter des Museums sind mit dem Herzen dabei. Dramatische Erzählungen des harten Schicksals der Sklaven, gehen den Besuchern nahe.

1 Tag Basispreis für Erwachsene $ 36,-
1 Tag Plus-Preis für Erwachsene $ 46,- inkl. Governor’s Palace Tour

Fredericksburg und die große Schlacht

Thematisch ähnlich, von der Aufmachung her aber eher konventionell, geht es in Fredericksburg, nördlich von Williamsburg zu. In dem kleinen Städtchen wütete eine der blutigsten Schlachten des Bürgerkrieges. Aus diesem Grund gibt es heute ein paar kleine aber feine Museen zu besichtigen. Allen voran das Mary Washington House (Eintritt $ 4,-), das Haus von George Washingtons Mutter. Zwei nette, alte Damen geleiten die Besucher durch das Haus. Fotos sind eigentlich nicht erlaubt, aber sie lassen es bei nettem Fragen auch ab und zu durchgehen. So erfährt man hier, dass man im 18. Jahrhundert mit 24 Jahren und unverheiratet als alte Jungfer galt und Mary Washington doch tatsächlich dazu zählte. Das Häuschen ist in gutem Zustand und nett eingerichtet.
Etwas spektakulärer geht es ein paar Blocks weiter zu. Die Kenmore Plantation (Eintritt $ 8,-) war das Heim von George Washingtons Schwester. Betty Washington Lewis lebte hier mit ihrem Gatten, war Eigentümerin von über 100 Sklaven und bewirtschaftete eine kleine Plantage hinter dem Haus. Die Haussklaven hielten sich hauptsächlich in der Küche auf, die damals als eigenes Haus geleitet wurde. Dies entsprang der Brandgefahr, die vom ständig lodernden offenen Feuer ausging. Ein interessantes Detail ist, dass sich im gleichen Gebäude auch oft die Schlafgemächer der Dienstboten befanden. Hier wird man offensichtlich mit der Doppelmoral der damaligen Zeit konfrontiert. Während des Bürgerkrieges wurde das Haupthaus als Lazarett verwendet. Dies ist auch der Grund warum in den meisten Räumen sämtliche Tapeten und Böden rekonstruiert werden mussten. Angeblich war der Boden blutdurchtränkt.

Rising Sun Tavern © Daniela Nowak
Rising Sun Tavern © Daniela Nowak

Ordnung muss sein - das Tavernen-Leben

In der Rising Sun Tavern ($ 5,-) findet man sich plötzlich im 18. Jahrhundert wieder. Dieses Haus wurde 1760 von Charles Washington gebaut und 1792 in eine Taverne umgewandelt - eine "proper tavern”, also eine ordentliche Taverne. Schließlich sollen die Ladies von den Gentlemen getrennt schlafen, und es sollen einige Regeln befolgt werden. Die waschechte "tavern wench”, also die Bedienstete der Taverne, die sämtliche anfallenden Aufgaben übernimmt, führt die Besucher durch die Räumlichkeiten und erklärt, dass die Damen einen "necessary chair” in das Schlafgemach bekommen, also einen Leibstuhl. Die Ladies werden bei Sonnenuntergang, so gegen 18 Uhr, ins Bett gebracht und bei Sonnenaufgang, etwa um 3 oder halb 4 Uhr morgens wieder aufgeweckt, um für die Reise fertig gemacht zu werden. Die Herren der Schöpfung, die in Scharen in die Taverne kommen, dürfen selbstredend so lange auf bleiben, wie sie wollen, sie müssen allerdings teilweise auch zu fünft in einem Bett schlafen. Sind sie gut zahlende Kundschaft, werden ihre Schuhe über Nacht in der richtigen Richtung aufgehängt (da die Schuhe ja eingetragen werden müssen, keinen linken und keinen rechten). Gehört man zum Fußvolk, muss man aus Rücksicht den anderen gegenüber die Schuhe auch in der Nacht im Schlaflager auf dem Boden anbehalten.
Gebadet wird nur in den heißesten Monaten im Jahr: Juli und August. Reist man somit außerhalb dieser Monate an, wird einem nicht mal ein Bad in der "tiny hip tub" angeboten, eine Sitzwanne, die etwa so aussieht, wie ein großer, blecherner Wäschekorb. Aber auch aus der amerikanischen Kultur und Sprachentwicklung werden hier einige Anekdoten zum besten gebracht: die Begriffe "Barkeeper” oder "Bartender” oder einfach nur "Bar” kommen daher, dass die Männer (der unteren Schichten versteht sich) zu späterer Stunde oft mit ihrem Geschirr herumwarfen. So baute sich der "Barkeeper” eine Art Käfig, in der er Schutz fand, quasi wie hinter Gitterstäben - "bars", nur aus Holz. So wurde weder er verletzt, noch wurden seine Flaschen und Güter hinter der Theke zerstört. Somit kommen wir auf den heutigen Begriff der "Bar”. In dieser "ordentlichen Taverne" erfährt man auch heute noch einiges über die Lebensweise des 18. Jahrhunderts. Allerdings gibt es weder zu essen noch zu trinken, da diese Lizenz bereits vor über 100 Jahren auslief.

Kirkland Memorial © Daniela Nowak
Kirkland Memorial © Daniela Nowak

Reisen dahin, wo Nord und Süd aufeinander trafen

Ein sehr interessanter Halt ist auch der Fredericksburg and Spotsylvania Military Park (Eintritt gratis, Film zum Thema $ 2,-). Hier fand die große Schlacht von Fredericksburg statt, während der 85.000 Menschen verwundet und 15.000 getötet wurden. Hier bekommt man ein ungefähres Ausmaß dieser Schlacht zu spüren, die am 13. Dezember 1862 dort geführt wurde. Die Atmosphäre am "Battlefield" ist sehr eigenartig; man kann das Gebiet auf der "self guided tour" selbst erforschen, oder bei einer geführten Tour der National Park Ranger teilnehmen (wetterabhängig - bei starkem Regen oder Gewitter fallen die Touren aus). Entlang der Sunken Road mit Teilen der originalen Steinmauer, die bei der Schlacht stand, gehen die Besucher direkt durch das Battlefield. Das Steven’s House stand mitten im Schlachtfeld und Martha Stevens half den Verwundeten, wie beispielsweise General Thomas R. R. Cobb, welcher tödlich verwundet wurde und trotz allen Bemühungen in diesem Haus verstarb. Das Haus steht heute nicht mehr, aber ein Schild markiert den früheren Standort.
Das Innis House ist allerdings noch erhalten, und man sieht durch die Fenster die Einschüsse in den Innenwänden des Hauses. Dieser Anblick ist sehr beeindruckend, da das Haus wirklich exakt an der Sunken Road steht, also mitten im Kreuzfeuer war.
Sergeant Richard Kirkland aus South Carolina bekam ein Denkmal aufgestellt, da er während der Schlacht scheinbar den Sinn dieses Krieges nicht mehr begreifen konnte, und so brachte er seinen verwundeten Feinden (!) Wasser, während sie schon mehr auf der Seite des Todes, als der des Lebens standen. Weiter gehen die Besucher zum Friedhof, der auf einem kleinen idyllischen Hügel liegt. Hier sagt man, war der Boden blau bedeckt, von den Verwundeten Union Soldaten mit ihren blauen Uniformen.

Der Bürgerkrieg, auch Sezessionskrieg genannt, ist in Amerika auch heute noch ein heikles Thema. Schließlich führte es beinahe zum Bruch der Vereinigung, neben vielen anderen Errungenschaften, wie schlussendlich die Abschaffung der Sklaverei. Dennoch sieht man in den USA viele Denkmäler und stolz beschilderte Monumente, die Verantwortliche, Verwundete und Teilnehmer ehren. Der Bürgerkrieg wird hier nicht als ein dunkler Punkt der Vergangenheit angesehen, sondern als Teil der Geschichte, welcher dazu beigetragen hat, die heutige Nation zu schaffen. Und darauf sind die Amerikaner stolz. Für uns Europäer ist diese Einstellung etwas schwer nachzuvollziehen. Nichtsdestotrotz sind die Sehenswürdigkeiten und Museen allemal eine Reise wert. Zudem erfährt man hier von fähigem und geschultem Personal doch etwas mehr, als aus den Geschichtsbüchern, auch wenn die Doppelmoral manchmal unverkennbar ist. Und so manches wird den Touristen natürlich auch verschwiegen. Denn auch wenn so manche Museen nicht so professionell in Szene gesetzt werden, wie das rekonstruierte Dorf Colonial Williamsburg, die Inszenierung spielt beinahe überall eine große Rolle.

USA Reisen können Sie buchen unter: USA Reisen. Die Staaten, in denen der Amerikanische Bürgerkrieg tobte, finden sich im Osten der USA.

Text und Fotos © Copyright Daniela Nowak. Text und Fotos dürfen nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin veröffentlicht werden.

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