Sehenswürdigkeiten in USA
USA Allgemein

Die Underground Railroad in den USA

Geheime Vergangenheit der schwarzen Bevölkerung Amerikas

Underground Railroad Freedom Center © Daniela Nowak
Underground Railroad Freedom Center
© Daniela Nowak

So kontrovers die Geschichte der USA auch sein mag, so vielfältig wird sie heute in den diversen Tourismusdestinationen auch aufgearbeitet. Die Sklaverei stellt zweifelsohne eine der Schattenseiten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten dar. Und trotzdem werden oft die Anti-Sklaverei-Bewegungen, die über Jahrzehnte hinweg versuchten Sklaven zu unterstützen, sie in die Freiheit zu geleiten und auf offizieller Ebene für die Abschaffung dieser Institution zu kämpfen, vergessen. In einigen amerikanischen Städten, wird genau jenen Menschen gehuldigt, die sich diesem Kampf anschlossen, der letztendlich zum Bürgerkrieg (1861-1865) führte. Eine dieser Bewegungen wurde die "Underground Railroad" genannt. Es handelt sich hier jedoch weder um etwas Unterirdisches, noch um eine Eisenbahn. Die Underground Railroad bestand aus einem losen Netzwerk an Unterstützern, die den Sklaven bei ihrer Flucht in den Norden halfen. Da die ganze Aktion offensichtlich illegal war, war Geheimhaltung das oberste Gebot, vermutlich deshalb auch "underground". Der Bundesstaat Ohio stellte geographisch eine wichtige Grenze dar, nämlich jene der Sklavenstaaten und freien Staaten. Der Ohio River markiert die Grenze zwischen Ohio und dem südlichen Kentucky, welches legaler Sklavenstaat war. Über jenen Fluss flohen im 19. Jahrhundert unzählige Sklaven auf der Underground Railroad. Cincinnati war die Grenzstadt im freien Ohio, wo sich bereits nahe dem Ufer die ersten Stationen der Underground Railroad befanden.

Die Grenze zwischen Sklaverei und Freiheit

Steht man heute in Cincinnati vor dem Ohio River und blickt über die Staatsgrenze nach Kentucky, so kann man kaum glauben, dass über diesen Fluss tatsächlich Menschen mit Todesangst geflohen sind. Dazu kommt, dass der Fluss heute viel weiter und tiefer ist, als er im 19. Jahrhundert war. Das Ufer war dicht bewaldet, und bot so auch einen meist verlässlichen Sichtschutz. Darüber hinaus war die Flucht durch den Ohio River taktisch gut durchdacht. Die Bluthunde der Sklavenfänger konnten durch das Wasser die Geflohenen nicht mehr erschnüffeln. Die Spur verlor sich buchstäblich auf der Staatsgrenze.
Im nahen Ripley kann heute noch eine originale Station der Underground Railroad besichtigt werden: das Rankin House (6152 Rankin Road). Es befindet sich am Liberty Hill, welcher den Ohio River überblickt. Heute ist es ein staatliches Denkmal, wo man die Stufen hochgehen kann, auf welchen einst Sklaven ihren Schutz fanden. Es wird vermutet, dass Reverend Rankin knapp 2000 flüchtigen Sklaven Unterschlupf in seinem Haus gewährte. Harriet Beecher Stowe, Autor von Onkel Toms Hütte, verwendete seine Erfahrungsberichte für ihr Buch. Ihr Haus ist in Cincinnati (2950 Gilbert Avenue – freiwillige Spende) zu besichtigen. Die Besucher werden von den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Ohio Historical Society durch die Geschichte geführt und erfahren somit auch einiges zur Anti-Sklaverei-Aktivität der Autorin und ihrer Familie. Das Obergeschoß beziehen in unregelmäßigen Intervallen Wanderausstellungen, wie derzeit die Harriet Tubman Ausstellung. Harriet Tubman ist eine der wichtigsten Aktivistinnen der Underground Railroad. Selbst eine flüchtige Sklavin, kehrte sie bis zu 19 Mal zurück in den Süden, um zuerst ihre Familie in den Norden zu holen, und danach auch andere Sklaven.

Grab Harriet Tubman © Daniela Nowak
Grab Harriet Tubman © Daniela Nowak

Ein Nationales Monument für die Freiheit

Harriet Tubman ist eine Schlüsselfigur der Underground Railroad. Dies wird auch klar, wenn man das National Underground Railroad Freedom Center ($ 12) in Cincinnati besucht. Der Komplex ist in drei Gebäude unterteilt, die für die Botschaften Mut, Kooperation und Beharrlichkeit stehen. Im Freedom Center findet man neben afrikanischer Kunst und kulturellen Artefakten auch die Geschichte der Sklaverei und deren Abschaffung aufgegliedert. Original "Inventarlisten", wie Auflistungen von Sklaveneigentum genannt wurden, sind ebenso einzigartige Ausstellungsstücke, wie eine echte Sklavenhütte von John W. Anderson. In diesem "Slave Pen" erleben die Besucher den engen Raum, auf dem sich die Sklaven kurz vor Auktionen arrangieren mussten. Besonders bewegend ist die multimediale Darstellung einer Flucht, die bei John Rankin in Ripley ein befristetes Ende fand. In einem Saal, der in der damaligen Optik des Ufers des Ohio Rivers inszeniert wird, zeigt man den Besuchern einen Film über die dramatischen Szenen, die sich im 19. Jahrhundert so vielfach in der Realität ereigneten.

Seward Underground Railroad Versteck © Daniela Nowak
Seward Underground Railroad Versteck
© Daniela Nowak

Auch New York war ein Anti-Sklaverei Zentrum

Doch nicht nur in Ohio wird man nach der Suche der Underground Railroad fündig. In der kleinen Stadt Auburn, in Upstate New York, befand sich, aufgrund der geographischen Nähe zu Kanada, ein Zentrum der Underground Railroad. Besonders das Haus des damaligen New Yorker Senatoren William Seward knüpft an die Eindrücke in Ohio an. Seward war der damalige Rivale von Abraham Lincoln, wohlbemerkt innerhalb der eigenen Partei. Die wenigsten wissen jedoch, dass bei dem Attentat auf Lincoln auch andere politische Größen attackiert wurden, so auch Seward. Auf bizarre Weise hob die Familie Seward alles aus dem Leben des Senators auf, so auch das blutbeflecke Laken, in dem heute noch die Einstiche der Messerattacke sichtbar sind. Blumen vom Sarg von Lincoln sind eine weitere skurrile Sehenswürdigkeit im Haus. Die eigentliche Sensation befindet sich jedoch versteckt, ungesehen von außen, unbemerkt von innen, im Keller des Hauses. Nach dem Umbau und der Vergrößerung des Hauses wurde die ehemalige Küche zum Underground Railroad Versteck umgebaut. Eine unbekannte Anzahl von flüchtigen Sklaven fand hier Essen, Kleidung und ein Bett, bevor die strapaziöse Reise in den Norden weitergehen musste. Seward bot mit dieser Beteiligung an der Underground Railroad doppelte Angriffsfläche: nicht nur verletzte er das Gesetz der USA, er begab sich zudem als Politiker, der unter besonderer Beobachtung stand, in außergewöhnliche Gefahren.
Knapp drei Kilometer südlich des Seward Hauses ($ 7) befindet sich das Harriet Tubman Home for the Aged. Harriet Tubman verschrieb sich ihr gesamtes Leben der Unterstützung und Hilfe für Afro-Amerikaner. Nachdem sie mehrmals in den Süden zurück gekehrt war, um über 300 Sklaven in die Freiheit zu verhelfen, ließ sie ein Haus für die Pflege ihrer Familie und älterer ehemaliger Sklaven errichten. Sie selbst lebte auf dem Grundstück, auf dem sie auch ein Krankenhaus betrieb. Sie starb 1913 im Alter von ungefähr 90 Jahren (Sklaven wussten selten ihr eigenes Geburtsjahr), und erhielt ein Ehrengrab auf dem Fort Hill Cemetery, dem Friedhof von Auburn, welches auch besichtigt werden kann.

Boston als Eckpfeiler der Anti-Sklaverei Bewegungen

Die Underground Railroad war im Norden der USA verstärkt vertreten. Besonders viele Aktivisten befanden sich auch im liberalen Boston, Massachusetts. In der europäisch anmutenden Stadt befand sich das Boston Vigilance Committee, eine Vereinigung, die sich aktiv und öffentlich gegen die Sklaverei einsetzte. Diese Vereinigung war eine Reaktion auf das Fugitive Slave Law, ein Gesetz das die Behörden der freien Nordstaaten verpflichtete, entflohene Sklaven zu ihrem rechtsmäßigen Besitzer zurück zu schicken. Die daraufhin entstandene Bewegung verbreitete sich in Boston und Umgebung schnell. Heute kann man die Entwicklungen in dieser Zeit innerhalb des Boston Freedom Trails ansehen, der mit 16 Stationen die wichtigsten Plätze und Bauten ansteuert, unter anderem auch den Platz, an dem das Boston Massaker begann. Dem Freedom Trail zu folgen ist ganz einfach, man folgt lediglich einer roten Linie auf dem Asphalt, die sich auf zweieinhalb Meilen durch die Stadt schlängelt. Erklärungen zu den einzelnen Stops finden sich in den thematisch gestalteten Heften, die an den wichtigsten Halten verkauft werden. Vom National Park Service gibt es auch spezielle Black Heritage Touren, die eine ähnliche Strecke verfolgen wie der reguläre Freedom Trail. Die Begeisterung der National Park Ranger, wie beispielsweise von Dana Smith, ist bemerkenswert. Die Geschichte, die hinter dem Robert Gould Shaw Memorial steckt, wird mit vollem Körpereinsatz vermittelt: Robert Gould Shaw war der Leiter des 54. Regiments, das erste welches aus Afro-Amerikanern bestand. Das Monument zeigt die Soldaten und Shaw, welcher bei Fort Wagner getötet wurde. Neben verschiedenen Häusern, die als Treffpunkte für die Sklaverei-Gegner dienten und Häusern von Aktivisten, ist auch das African Meeting House ein Stop, wo 1832 die New England Anti-Slavery Society gegründet wurde. Gründer war William Lloyd Garrison, der gleichzeitig Gründer der wegen ihrer radikalen Aussagen umstrittenen Anti-Sklaverei Zeitung The Liberator war.

Freiheitsglocke © Daniela Nowak
Freiheitsglocke © Daniela Nowak

In Philadelphia erklang die Freiheit

Ein anderes Zentrum für den Fortschritt der Abschaffung der Sklaverei war Philadelphia, Pennsylvania. Auch hier entstanden Anti-Sklaverei Gesellschaften und ein Vigilance Committee. William Still regelte im Umkreis von Philadelphia die Geschehnisse der Underground Railroad. In seinem Buch mit authentischen Erzählungen schildert er tatsächliche Ereignisse, Erlebnisse mit Sklavenjägern und Sklavenhaltern und bietet einen Einblick in eine Zeit, die für uns heute nur schwer greifbar ist. Auf seinen Spuren kann man in Philadelphia wandeln und die historischen Häuser und Gesellschaftspunkte ansehen. Erster Anlaufpunkt ist hier natürlich das Besucherzentrum, welches auch eine Ausstellung zur Underground Railroad und deren Protagonisten in Philadelphia beherbergt. Die National Park Ranger waren zum Teil an der Gestaltung dieser Ausstellung involviert und können detaillierte Information geben.
Gleich nebenan befindet sich das Liberty Center (gratis Eintritt), wo täglich zahlreiche Besucher zur originalen Liberty Bell, der Freiheitsglocke, pilgern. Der wohl berühmteste Riss der Geschichte befindet sich in der Freiheitsglocke, der bereits vor ihrem ersten offiziellen Läuten entdeckt wurde. Und so erklang die Glocke alle Glocken nur ein paar Mal, das letzte Mal zu George Washingtons Geburtstag 1846, bei dem ein neuer Riss hinzukam und so die Glocke endgültig verstummen ließ. Dennoch hat sie als Symbol der Unabhängigkeit auch heute noch Rang und Namen. Berühren darf man sie jedoch nicht, denn das Nationalsymbol wird unter großem Sicherheitsaufgebot bewacht. Tickets für die Independence Hall werden gratis im Besucherzentrum ausgegeben. Der Name der Independence Hall lässt sich ganz einfach erklären. Hier wurde 1776 die ausgearbeitete Unabhängigkeitserklärung in Empfang genommen. Dass Philadelphia als die Stadt der Unabhängigkeit Amerikas gilt, braucht man hier nicht hervorzuheben. Zahlreiche Museen und Monumente können in diesem Zusammenhang besichtigt werden.

Die amerikanische Geschichte geht offensichtlich nicht so weit zurück, wie die europäische, dennoch ist in der vergleichbar kurzen Zeit sehr viel geschehen. Gegensätzlich, widersprüchlich und kontrovers. Dafür stehen die USA auch heute noch. Die Geschichte spricht für sich selbst. Dennoch sollte man auch die Bemühungen der Amerikaner für eine bessere Gesellschaft würdigen, selbst wenn auch diese die eine oder andere Diskrepanz aufweisen. Die Underground Railroad war ein beinahe mysteriöses Netzwerk, viele Mythen schwirren um die involvierten Personen, Plätze und Häuser. Aber es gab sie. Das beweisen die zahlreichen Bücher und Stationen, die man heute noch besichtigen kann. Dieser Teil der Geschichte ist ohne Zweifel sehr spannend, und ihm gebührt mehr Aufmerksamkeit. Doch sollte man hier nicht zu sehr die weißen Hausbesitzer huldigen, die den Sklaven auf ihrem Weg halfen, sind doch die mutigen Afro-Amerikaner die wahren "Helden", die die Flucht in den Norden um jeden Preis antraten und mit viel Feingefühl, Naturverbundenheit und praktischem Wissen in die Freiheit gelangt sind.

USA Reisen können Sie buchen unter: USA Reisen. Die Staaten, durch die die Underground Railroad führte, finden sich im Osten der USA.

Text und Fotos © Copyright Daniela Nowak. Text und Fotos dürfen nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin veröffentlicht werden.

Abonnieren Sie die neuesten Nachrichten aus den USA